10grad58east - Müller, Lepcke, Sommer

sculpture
 
 

Leben

Eduard Müller  war ein gelernter Koch, der sich autodidaktisch zum Bildhauer weiterbildete. Er war der Zwillingsbruder des Malers Gustav Müller.

Eduard Müller begann 1842 eine Lehre in der herzoglichen Hofküche, ging vier Jahre später als Koch nach München und Paris, hielt sich zwei Jahre in Antwerpen auf und folgte, nachdem er bisher in seinen Mußestunden schon viel modelliert hatte, 1850 auf den Rat des Bildhauers Joseph Geefs seinem Drang zur Bildhauerkunst. Er besuchte die dortige Akademie und erwarb sich daneben durch Portraits seinen Unterhalt. 1852 ging er nach Brüssel, schuf dort 1854 die Marmorstatue eines erwachenden Knaben und 1856 eine Psyche, die er, nachdem er sich ab 1857 in Rom niedergelassen hatte, für den Prinzen von England in Marmor ausführte.

In Rom entstand seit 1868 sein Hauptwerk, die Gruppe „Prometheus beklagt von den Okeaniden“. Die Berliner Nationalgalerie gab 1872 eine monumentale Marmorfassung in Auftrag und stellte sie 1879 auf. Seiner Heimatstadt Coburg stets verbunden, überließ ihr Eduard Müller einen originalgetreuen Gipsabguss, zu dessen öffentlicher Präsentation 1880 eigens ein bestehender Pavillon umgebaut wurde. Obwohl skeptisch gegenüber Reduktionen seines Bildwerks, erlaubte der Bildhauer um 1885-1888 der Berliner Gießerei Hermann Gladenbeck die Anfertigung und den Vertrieb einer solchen. Speziell hierzu schuf der Bildhauer Otto Gradler (*1836, † wohl nach 1921) ein Modell nach Müllers Original. Im Germanischen Nationalmuseum befindet sich seit 2004 ein Exemplar dieser Plastik, ebenso in der Berliner Alten Nationalgalerie.

Nachdem er noch eine Skizze zu einem Pendant der Prometheusgruppe (die Befreiung des Prometheus durch Herkules) vollendet hatte, schloss er seine künstlerische Tätigkeit ab.

Eduard Müller war Professor und Mitglied der Akademie San Luca in Rom, der Berliner Akademie und der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid. Er wurde Ehrenmitglied der Akademie von Carrara und wie sein Zwillingsbruder Gustav im Jahr 1880 Ehrenbürger der Stadt Coburg. Beide Brüder wurden in Rom beigesetzt.


Werke

Erwachender Knabe (1854); Prometheus beklagt von den Okeaniden (1868 Rom, 1879 Berlin, 1880 Coburg); Nymphe, den Amor küssend (1862, im Besitz der Königin von England); Glaube, Liebe, Hoffnung (1869 für ein Mausoleum in Hamburg); Satyr mit der Maske (1870); Erwachendes Mädchen (1872); Das Geheimnis des Fauns (1874); Bacchantin, die Amor die Flügel zu beschneiden droht (1874); Der neapolitanische Fischer und sein Knabe (1875); Römerin mit dem Moccolilicht; Eva mit ihren Kindern; Die erschreckte Nymphe (Pendant zum Satyr mit der Maske)


Literatur

Künstlerverzeichnis Thieme-Becker, Bd. 25, 1931, Seite 223




Ferdinand Lepcke

Leben

Ferdinand Lepcke wurde am 23. März 1866 in Coburg geboren. Seine Ausbildung erhielt er im Atelier der Brüder Biber und an der Schule des Kunstgewerbemuseums in Berlin.

Von 1882 bis 1892 studierte er an der Berliner Akademie, seit 1884 als Meisterschüler von Fritz Schaper. 1891 erhielt er den großen Staatspreis.

Nach dem Studium hielt er sich 1892/1893 in Rom auf, weitere Studienreisen führten ihn später nach Frankreich und Kopenhagen. 1897 erhielt er den Professorentitel.

Er starb an einer Lungenentzündung am 12. März 1909 in Berlin.


Werke

1897 Statue Bildhauer (Phidias), ehemals Anlagen vor der Nationalgalerie Berlin, seit 1914 verschollen;

1897 Statue Bogenspannerin mit folgenden Abgüssen:

Original seit 18. Oktober 1910 in Bydgoszcz (Bromberg), inzwischen zum Wahrzeichen der Stadt geworden, der Erstguss ist verschollen; als  Nachguss seit 12. Dezember 1997 wieder auf dem Hohenzollernplatz, Berlin-Nikolassee; in Heringsdorf auf Usedom; in Coburg; als Nachguss der Coburger-Statue seit 18. Juni 1982 auf dem Störtebekerplatz, Wilhelmshaven

1899 Hermenstele von Friedrich Rückert aus Carraramarmor, Viktoriapark, Berlin;

1900 Bronzefigur der Phryne, Liegewiese am Schlachtensee, Berlin (Nachguss des im Zweiten Weltkrieg verschollenen Originals); Replik im kleinen Rosengarten, Coburg

1900 Der Kuss, Eremitage (Sankt Petersburg);

Sintflutbrunnen:

1904 in Bydgoszcz (Bromberg), 1943 eingeschmolzen; 1906 im Rosengarten, Coburg; in Eisleben, 1942 eingeschmolzen

1908 bronzenes Bismarck-Relief am Bismarckturm, Hildburghausen;

1908 Denkmal für Ernst von Stubenrauch in Teltow;

1908 Werkleute beim Bau der Pyramiden und Antiker Ringkampf, Kunstsammlungen Veste Coburg


Literatur

Künstlerverzeichnis Thieme-Becker, Band 23



Carl August Sommer

Leben

Seiner Begabung entsprechend, Köpfe und Figuren zu formen, erlernte Sommer das Bossiererhandwerk, also die Herstellung von Formen aus weichen Stoffen, hauptsächlich aus Wachs. Anschließend studierte er in Stuttgart und München an den dortigen Akademien bildende Kunst. Nach seinem Studium arbeitete er sich allmählich zum Künstler empor, der seine Schöpfungen in Bronze fertigte.

Im Jahre 1890 kehrte er in seine Heimatstadt Coburg zurück und wohnte bis zu seinem Tode im Hause Lange Gasse Nr. 4.

In der Coburger Künstlerzunft St. Lukas gewann er gleichgesinnte Freunde. Im Ostpavillon befand sich längere Zeit sein Bildhaueratelier.

Seine wohl in Coburg bekannteste Schöpfung ist das Prinz-Josias-Denkmal auf dem Theaterplatz, das am 24. Oktober 1911 enthüllt wurde.

Ein weiteres Werk Sommers befindet sich bei Ziegelsdorf, das man am besten von Scherneck aus erreichen kann. Gegenüber dem Schloss, im Wald versteckt, liegt die Begräbnisstätte des Werner von Seebach, einst Schlossherr von Ziegelsdorf. Im Inneren dieses Mausoleums befindet sich die lebensgroße Figur eines segnenden Christus. Diese wurde von Sommer im Jahre 1897 geschaffen.


Werke

Büsten und Medaillons (Kaiser Leopold, Maria Theresia, Mozart) im Opernhaus Wien;

Figuren Hauptzollamt (16) und Universitätsbibliothek Budapest;

Kentaurenbrunnen in Bremen(1891); kleinere Wiederholung im Rathaus Coburg;

Denkmal Ernst II. in Schloß Reinhardsbrunn bei Friedrichsroda;

Mohr, von Schlange erschreckt am Herzog-Alfred-Brunnen im Hofgarten Coburg(1904); Androklus mit dem Löwen;

Schlafende Sphinx;

Durstiger Faun, von jungem Mädchen gelabt;

In der Not frißt der Teufel Fliegen, Rathaus Coburg;

kleinere Modelle von Arbeiten im vorderen Hofgartenpavillon/Westpavillon;

Todesengel am Grabmal der Amelie Franke geb. Niebuhr (1862) und Grabmal des Hofapothekers Heil (1898), beide Friedhof Coburg;

Segnender Christus, Mausoleum Ziegelsdorf (1897);

Feldmarschall Friedrich-Josias auf dem Theaterplatz Coburg(1911);

weitere Arbeiten in der Nationalgalerie Berlin, Albertina Wien, Museum Gotha und Dresden. 


Literatur

Künstlerverzeichnis Thieme Becker, Band 31, Seite 268

 

Eduard Müller

Prometheus beklagt von den Okeaniden, Original aus Marmor, 1879, Alte Nationalgalerie Berlin

Oben: Tympanoninschrift im Niobidensaal des Neuen Museums Berlin

Phidias zeigt seinen Freunden den Fries des Parthenon, Lawrence Alma Tadema, 1868

Sintflutbrunnen, Bronze, 1906, Rosengarten Coburg

Mohr, von Schlange erschreckt, Bronze, 1904,

Teil des Herzog-Alfred-Brunnen Coburg

Friedrich-Josias-Denkmal, Bronze, 1911,

Theaterplatz Coburg